Wie genau ist dieser Promillerechner?
Der Rechner verwendet die Widmark-Formel BAK=A/(r⋅G) – dieselbe, die deutsche Gerichtsmediziner und Gutachter nach BAST-Leitlinien nutzen. Individuelle Faktoren wie Genetik, Lebergesundheit, Flüssigkeitshaushalt, Medikamente und Mageninhalt können den tatsächlichen Wert um ±20 % oder mehr verschieben. Behandeln Sie das Ergebnis als grobe Schätzung, niemals als Ersatz für einen Atemtest oder als Freibrief zum Autofahren.
Welche Promillegrenze gilt in Deutschland am Steuer?
Für erfahrene Pkw-Fahrer gilt nach § 24a Abs. 1 StVG die 0,5-Promille-Grenze als Ordnungswidrigkeit (Bußgeld ab 500 €, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot). Ab 1,1 ‰ greift § 316 StGB (absolute Fahruntüchtigkeit, Straftat). Zwischen 0,3 und 1,09 ‰ ist nach Rechtsprechung bei zusätzlichen Ausfallerscheinungen ebenfalls eine Straftat (relative Fahruntüchtigkeit) gegeben. Für Fahrer in der Probezeit und unter 21 Jahren gilt nach § 24c StVG strikt 0,0 ‰. Berufskraftfahrer (Bus, LKW, Taxi) unterliegen während des Dienstes 0,0 ‰ nach § 24a Abs. 1a StVG bzw. § 8 Personenbeförderungsgesetz.
Was bedeuten 0,5 Promille konkret?
0,5 ‰ entspricht 0,5 g Alkohol pro kg Körperflüssigkeit. Für einen 80 kg schweren Mann ist das nach Widmark erreicht etwa nach 1,5 Halben Bier (je 0,5 l, 5 % Vol.) ohne nennenswerten Abbau. Für eine 60 kg schwere Frau reicht meist schon eine Halbe Bier oder zwei 0,2-l-Gläser Wein. Diese Werte sind grobe Mittel; BAST-Studien zeigen, dass Fahrtüchtigkeit messbar schon ab 0,2 ‰ leidet.
Was ist die MPU und ab wann droht sie?
Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU, umgangssprachlich "Idiotentest") wird von der Fahrerlaubnisbehörde angeordnet, um die Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen zu prüfen. Bei Alkohol gilt: ab 1,6 ‰ (Auto) bzw. 1,6 ‰ Radfahren ist die MPU regelmäßig verpflichtend, ebenso nach wiederholten Trunkenheitsfahrten oder Anhaltspunkten für Alkoholabhängigkeit. Die Erfolgsquote liegt nach DHS-Statistik im ersten Anlauf bei rund 60 %; eine professionelle Vorbereitung ist Pflicht.
Wie wirken Nahrung und Magenfüllung auf den BAK?
Essen vor oder während des Trinkens verlangsamt den Übertritt von Alkohol vom Magen ins Blut, senkt damit den Spitzen-BAK und streckt die Resorptionskurve. Besonders wirksam sind fett- und eiweißreiche Speisen. Sobald der Alkohol jedoch im Blut ist, hilft Essen nicht mehr – ein Döner um 3 Uhr morgens senkt den Promillewert nicht. Essen Sie während des Trinkens, nicht erst danach.
Warum bauen Frauen Alkohol anders ab als Männer?
Frauen haben bei gleichem Gewicht einen niedrigeren Körperwasseranteil und einen höheren Fettanteil – dieselbe Alkoholmenge verteilt sich in einem kleineren Volumen und führt zu höheren Spitzenwerten. Zudem produzieren Frauen im Mittel weniger Alkoholdehydrogenase im Magen, der First-Pass-Metabolismus ist also geringer. Der Widmark-Faktor von r = 0,55 (Frauen) gegenüber r = 0,68 (Männer) im Rechner bildet den Wassergehalt ab. Die DGPPN beschreibt, dass Frauen auch bei gleicher Trinkmenge ein höheres Risiko für alkoholbedingte Leberschäden tragen.
Wie lange dauert das Ausnüchtern?
Der Körper baut etwa 0,1 bis 0,15 ‰ pro Stunde ab. Bei 1,0 ‰ dauert es rechnerisch rund 7 bis 10 Stunden bis zu 0,0 ‰ und etwa 3 bis 5 Stunden bis unter 0,5 ‰. Beispiel: Wer um 2 Uhr nachts mit 1,2 ‰ aufhört zu trinken, kann um 8 Uhr morgens noch über 0,5 ‰ liegen. Die einzig sichere Regel: Wer abends getrunken hat, plant den nächsten Vormittag ohne Auto und ohne sicherheitsrelevante Tätigkeit.
Worin unterscheiden sich BAK und Atemalkohol (AAK)?
Die Blutalkoholkonzentration (BAK) wird über eine Blutprobe in einer Klinik oder beim Arzt bestimmt und in Promille (‰) angegeben. Der Atemalkohol (AAK) wird mit beweissicheren Geräten (z. B. Dräger Evidential) gemessen und in mg/l Atemluft ausgedrückt; der Umrechnungsfaktor beträgt etwa 1 ‰ BAK ≈ 0,5 mg/l Atemalkohol. § 24a StVG nennt sowohl 0,5 ‰ BAK als auch 0,25 mg/l AAK als Grenzwert. Für Strafverfahren nach § 316 StGB wird in der Regel eine Blutprobe genommen.
Beeinflussen Medikamente den Promillewert?
Ja – und auf eine Weise, die Widmark nicht abbildet. Opioide, Benzodiazepine (z. B. Diazepam, Lorazepam), sedierende Antihistaminika, viele Schlafmittel, manche Antidepressiva und einige Antibiotika verstärken die Wirkung oder verlangsamen den Abbau. Stimulanzien (z. B. ADHS-Medikamente) verdecken die subjektive Trunkenheit, ohne den BAK zu senken. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Bundesärztekammer warnen, dass schon kleine Alkoholmengen in Kombination mit Psychopharmaka die Fahrtüchtigkeit drastisch senken können. Beipackzettel lesen und Apotheker fragen.
Darf ich mit unter 0,5 ‰ fahren?
Rechtlich ja – für erfahrene Pkw-Fahrer. Aber: BAST-Studien zeigen, dass die Reaktionszeit bereits ab 0,2 ‰ messbar leidet und das Unfallrisiko zwischen 0,3 und 0,5 ‰ deutlich steigt. Kommt eine Auffälligkeit hinzu (Schlangenlinien, Unfall, ungewöhnliche Reaktion bei Kontrolle), kann auch unter 0,5 ‰ § 316 StGB greifen (relative Fahruntüchtigkeit, Straftat). Für Fahranfänger, Probezeitfahrer, unter 21-Jährige und Berufskraftfahrer im Dienst gilt 0,0 ‰. Die sichere Antwort ist immer 0,0.
Welche Regelung gilt fürs Radfahren?
Beim Radfahren gibt es keine 0,5-‰-Ordnungswidrigkeitsgrenze. Ab 0,3 ‰ und Auffälligkeiten droht ein Strafverfahren nach § 316 StGB (relative Fahruntüchtigkeit). Ab 1,6 ‰ liegt absolute Fahruntüchtigkeit beim Fahrrad vor – Straftat, in der Folge oft MPU-Anordnung durch die Führerscheinstelle, obwohl Sie auf dem Rad waren. Auch E-Scooter zählen rechtlich wie Kraftfahrzeuge: 0,5 ‰ Ordnungswidrigkeit, 1,1 ‰ Straftat.
Senkt Trinkfestigkeit den tatsächlichen BAK?
Nein. Toleranz verändert nur das subjektive Empfinden, nicht die Alkoholkonzentration im Blut. Ein erfahrener Trinker mag bei 1,5 ‰ noch koordiniert wirken – sein Atemtest zeigt aber dieselben 1,5 ‰ wie bei einem Gelegenheitstrinker, und Reaktionszeit und Unfallrisiko sind faktisch identisch beeinträchtigt. Polizei, Gerichte und Unfallstatistiken urteilen nach Promille, nicht nach Trinkfestigkeit.