Was bedeutet innerer Wert im Sinne von Graham?
Der innere Wert ist Grahams Schätzung dessen, was eine Aktie auf Basis der Ertragskraft und der Wachstumsaussichten des Unternehmens wert ist — unabhängig vom aktuellen Börsenkurs. Liegt der innere Wert über dem Marktpreis, gilt die Aktie als potenziell unterbewertet. Graham verstand den inneren Wert bewusst als Spanne und nicht als exakten Punktwert; er handelte erst, wenn der Abstand zum Kurs groß genug war, um Schätzfehler aufzufangen.
Warum ist die Sicherheitsmarge so wichtig?
Graham hielt es für unzureichend, eine Aktie genau zum berechneten inneren Wert zu kaufen, da die Eingangsgrößen (Wachstumsrate, künftige Gewinne, Anleiherenditen) stets unsicher sind. Er empfahl, nur mit einem deutlichen Abschlag von häufig 25–50 % unter dem inneren Wert einzusteigen, damit auch fehlerhafte Annahmen noch zu einer positiven Rendite führen. Der Rechner weist die Sicherheitsmarge als (Innerer Wert − Kurs) / Innerer Wert aus, um diesen Puffer transparent zu machen.
Welcher Gewinn je Aktie (EPS) sollte verwendet werden?
Sinnvoll ist in der Regel der EPS der letzten zwölf Monate (TTM) aus dem geprüften Konzernabschluss, möglichst um Sondereffekte bereinigt. Verlustjahre oder einmalige Wertminderungen verzerren das Ergebnis; in solchen Fällen kann ein normalisierter Mehrjahresdurchschnitt aussagekräftiger sein. Bei deutschen Unternehmen findet sich der EPS im Geschäftsbericht nach IFRS, häufig als unverwässerter und verwässerter Wert — Graham bevorzugte die konservative Variante.
Welche Wachstumsannahme ist für deutsche Aktien realistisch?
Verwenden Sie eine konservative, gut begründbare Wachstumsrate für die kommenden 5–10 Jahre, etwa aus Analystenkonsens, eigener Unternehmensprognose oder dem historischen Gewinnwachstum — wählen Sie den niedrigsten der drei Werte. Für reife DAX-Unternehmen sind 3–8 % typisch, für Mittelstandsperlen aus dem MDAX oder SDAX teils mehr. Graham selbst war bei Wachstumsraten über 15 % skeptisch; der Rechner begrenzt g auf 50 %, um unrealistische Hochrechnungen zu verhindern.
Welche Rolle spielen Bundesbank-Bondrenditen in der Formel?
Graham nutzte die Rendite erstklassiger Unternehmensanleihen (AAA) als Maßstab für die risikoarme Alternative zur Aktienanlage. Für den deutschen Markt eignet sich ersatzweise die Umlaufrendite zehnjähriger Bundesanleihen aus den Statistiken der Deutschen Bundesbank, gegebenenfalls zuzüglich eines AAA-Spreads. Steigen die Anleiherenditen, sinkt der berechnete innere Wert, weil sichere Erträge attraktiver werden — und umgekehrt. Der Zähler 4,4 entspricht der historischen AAA-Rendite, mit der Graham die Basiskennzahl 8,5 kalibrierte.
Wie passt die Graham-Formel zum klassischen Value Investing?
Die Formel ist eines der Kernwerkzeuge des Value Investing in der Tradition Grahams und Buffetts: Sie liefert eine schnelle, regelbasierte Schätzung des inneren Werts und zwingt zur expliziten Annahme über Gewinn, Wachstum und Renditeniveau. Sie ersetzt keine vollständige Fundamentalanalyse — etwa der Bilanzqualität, des Wettbewerbsvorteils oder des Managements — eignet sich aber hervorragend als Vorfilter und Plausibilitätscheck gegen den Marktpreis.
Wann liefert die Graham-Formel irreführende Ergebnisse?
Sie setzt einigermaßen stabile Gewinne und eine sinnvoll schätzbare Wachstumsrate über 7–10 Jahre voraus. Bei Wachstumswerten aus dem Technologiesektor überschätzt der Term 8,5 + 2g den fairen Wert leicht, weil optimistische Wachstumsannahmen exponentiell durchschlagen. Bei zyklischen Branchen (Automobil, Chemie, Banken) schwankt der EPS stark mit dem Konjunkturzyklus, und negative oder einmalig verzerrte Gewinne machen die Formel ganz unbrauchbar.