Worin unterscheidet sich dieser Rechner vom Zinseszinsrechner?
Der Zinseszinsrechner geht von einem festen, vertraglich vereinbarten Zinssatz aus (Tagesgeld, Festgeld, Sparbrief, Anleihekupon) und liefert präzise Eurobeträge. Der Anlagerechner mit Zinseszins modelliert ein Portfolio mit variabler Rendite (Aktien, ETFs, Mischfonds), bei dem der eingegebene Zinssatz ein langfristiger Durchschnitt ist, keine Garantie. Die Mathematik ist identisch – nur die Interpretation unterscheidet sich. Nutzen Sie diesen Rechner für ETF-Sparpläne und Depot-Projektionen, den Zinseszinsrechner für Tagesgeld und Festgeld.
Welche Rendite sollte ich annehmen?
Wählen Sie die Annahme passend zu Ihrem Portfolio. Langfristige Erfahrungswerte legen etwa 6–8 % nominal für einen weltweit gestreuten Aktien-ETF (MSCI World, FTSE All-World) nahe, 3–4 % für ein 60/40-Mischportfolio aus Aktien und Anleihen sowie 1,5–3 % nominal für Tagesgeld und Festgeld laut Bundesbank-Zinsstatistik. Finanztip und Stiftung Warentest empfehlen für langfristige ETF-Sparpläne in der Regel 6 % als Planungswert.
Soll ich reale oder nominale Renditen verwenden?
Verwenden Sie reale (inflationsbereinigte) Renditen, wenn der Endwert die heutige Kaufkraft abbilden soll – das ist am sinnvollsten für die private Altersvorsorge. Verwenden Sie nominale Renditen, wenn Sie auf einen festen Eurobetrag hinarbeiten (z. B. 100.000 € Eigenkapital für eine Immobilie 2046). Faustregel: reale Rendite ≈ nominale Rendite − Inflation. Die EZB strebt 2 % Inflation an, der langfristige deutsche Durchschnitt liegt bei rund 2 %, sodass eine nominale Aktienrendite von 7 % etwa 5 % real entspricht.
Wie oft sollte ich mein Portfolio rebalancieren?
Die meisten evidenzbasierten Empfehlungen sprechen für jährliches Rebalancing oder ein schwellenbasiertes Vorgehen (wenn eine Anlageklasse mehr als 5 Prozentpunkte vom Zielgewicht abweicht). Häufigeres Umschichten verursacht in Deutschland zusätzlich Orderkosten und kann durch Verkäufe steuerpflichtige Gewinne realisieren. Der Rechner unterstellt, dass Sie Ihre Zielallokation halten – die Renditeannahme bezieht periodisches Rebalancing implizit mit ein.
Was ist mit Fondskosten und der TER?
Ziehen Sie die TER (Total Expense Ratio) vor der Berechnung von Ihrer erwarteten Rendite ab. Wenn Sie 7 % brutto erwarten und Ihr ETF eine TER von 0,20 % hat, rechnen Sie mit 6,8 %. Über 30+ Jahre summieren sich selbst kleine Kostenunterschiede massiv: 1,5 % TER eines aktiven Fonds gegenüber 0,20 % eines ETFs kosten bei einem Depot von 100.000 € rund 1.300 € pro Jahr an entgangener Rendite, die sich selbst verzinst. BaFin und Verbraucherzentralen weisen Fondskosten als eine der wichtigsten kontrollierbaren Stellschrauben aus.
Was ist der Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosten)?
Beim Cost-Averaging investieren Sie regelmäßig den gleichen Eurobetrag (z. B. 200 € am Monatsersten per ETF-Sparplan), unabhängig vom aktuellen Kurs. Das Feld monatliche Einzahlung in diesem Rechner bildet genau das ab. Der Vorteil ist vor allem psychologisch – Sie umgehen die Versuchung des Market Timing – und Sie kaufen mehr Anteile, wenn die Kurse niedrig sind. Der Nachteil: Wer eine vorhandene größere Summe staffelt statt sofort anzulegen, verzichtet im Durchschnitt auf Rendite, weil Märkte langfristig häufiger steigen als fallen.
Berücksichtigt der Rechner das Renditereihenfolge-Risiko?
Nein. Der Rechner unterstellt jedes Jahr eine konstante, glatte Rendite. In der Realität ist die Reihenfolge der Renditen für die Entnahmephase im Ruhestand entscheidend (ein Kurseinbruch von -30 % zu Rentenbeginn kann das Depot dauerhaft schädigen), in der Ansparphase aber weit weniger – dann profitieren Sie sogar von günstigen Einstiegskursen. Für 30-Jahres-Projektionen ist das Konstantmodell eine vertretbare Vereinfachung; für die 5 Jahre vor und nach Rentenbeginn empfiehlt sich eine Monte-Carlo-Simulation.
Was passiert, wenn ich nach einigen Jahren aufhöre einzuzahlen?
Rechnen Sie zweimal. Erste Rechnung: Endwert bis zum Jahr, in dem Sie die Einzahlungen stoppen. Zweite Rechnung: dieses Endkapital als neue Anfangsanlage, monatliche Einzahlung 0 € und die verbleibenden Jahre. Beispiel: 200 €/Monat über 10 Jahre bei 7 % ergibt rund 34.600 €. Diese 34.600 € verzinsen sich anschließend 20 weitere Jahre bei 7 % zu rund 134.000 €. Die Zinseszinskraft des frühen Sparjahrzehnts wirkt damit oft stärker als später ausgesetzte Einzahlungen.
Sind 7 % Rendite langfristig realistisch?
Plausibel, aber nicht garantiert. Vorausschauende 10-Jahres-Schätzungen großer Vermögensverwalter (Vanguard, BlackRock) liegen für globale Aktien bei rund 4,5–6,5 % nominal, deutlich unter dem historischen Mittel, vor allem wegen erhöhter Bewertungen. Über einen 30+ Jahre Horizont bleibt eine langfristige Rendite von 6–7 % im Rahmen historischer Erfahrung; eine konservativere Annahme von 5 % bietet einen Sicherheitsabschlag, falls das nächste Jahrzehnt unter dem Durchschnitt liegt.
Wie werden Anlagegewinne in Deutschland besteuert?
Der Rechner liefert Brutto-Endwerte vor Steuern. In Deutschland fällt auf Kapitalerträge die Abgeltungsteuer von 25 % zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag (effektiv 26,375 %) und ggf. Kirchensteuer an. Der Sparer-Pauschbetrag beträgt 1.000 € pro Person und Jahr (2.000 € bei Zusammenveranlagung). Bei Aktien-ETFs greift zusätzlich die Teilfreistellung von 30 %, bei Mischfonds 15 %, bei Immobilienfonds 60 % – diese Anteile bleiben steuerfrei. Bei thesaurierenden Fonds wird jährlich die Vorabpauschale nach § 18 InvStG erhoben; sie wird beim späteren Verkauf gegen die finale Steuerschuld verrechnet.
Warum sieht die effektive Rendite so hoch aus?
Die effektive Rendite wird als kumulativer Multiplikator auf die eingezahlten Euros ausgewiesen ($FV / \text{Einzahlungen} - 1$), nicht als Jahresrendite. Über 30–40 Jahre erzeugt eine annualisierte Rendite von 7 % naturgemäß einen 4–10-fachen Lebenszeit-Multiplikator, was als 300 %–900 % kumulativ erscheint. Den annualisierten Wert erhalten Sie über $(FV / \text{Einzahlungen})^{1/t} - 1$ – diese Formel ist allerdings nur für Einmalanlagen exakt, nicht für Sparpläne, deren Euros unterschiedlich lange verzinsen.
Wie behandelt der Rechner den Zeitpunkt der monatlichen Einzahlung?
Der Rechner verwendet nachschüssige Einzahlungen am Monatsende (gewöhnliche Rente), die übliche Konvention bei Altersvorsorge-Formeln. Wenn Ihr ETF-Sparplan am Monatsersten ausgeführt wird (vorschüssige Rente), liegt der Endwert leicht höher – multiplizieren Sie den Sparplan-Anteil mit $(1 + i)$, wobei $i = r/12$. Der Unterschied beträgt typischerweise weniger als 1 % des Endwerts und ist für Planungszwecke vernachlässigbar.