Einzelhandel: Buchhandlung in Hamburg
Eine inhabergeführte Buchhandlung in Hamburg verkauft einen Bildband zum buchpreisbindungspflichtigen Endpreis von 39,90 € (brutto, inkl. 7 % USt für Bücher). Die Nettoeinkaufskosten beim Barsortiment betragen 23,50 € pro Exemplar inklusive Lieferung. Die Inhaberin will die Bruttomarge je Exemplar prüfen.
ErgebnisBruttogewinn 13,79 € je Exemplar, Bruttomarge 37,0 %, entsprechender Aufschlag 58,7 %.
Wir rechnen netto, da die USt ein durchlaufender Posten ist: 39,90 € ÷ 1,07 = 37,29 € Nettoumsatz. Bruttogewinn = 37,29 € − 23,50 € = 13,79 €. Marge = 13,79 € ÷ 37,29 € = 37,0 %. Aufschlag = 13,79 € ÷ 23,50 € = 58,7 %. Damit liegt die Filiale im typischen Korridor des stationären Buchhandels (HDE-Daten: 35–40 % Spanne) und kann Miete, Personal und Sortimentsbreite tragen – aber nur, wenn die Lagerumschlagshäufigkeit stimmt.
Online-Shop: DTC-Kosmetikmarke aus Berlin
Ein Berliner Online-Shop verkauft eine Naturkosmetik-Pflegecreme über den eigenen Shop und über Marktplätze. Verkaufspreis 34,90 € brutto (inkl. 19 % USt). Variable Kosten je Tiegel: 8,40 € Rohstoffe und Tiegel, 1,80 € Versandkarton und DHL-Etikett, 1,30 € Zahlungsgebühren (Stripe/PayPal) und 1,90 € Marktplatzprovision – insgesamt 13,40 € Vollkosten je verkaufter Einheit.
ErgebnisBruttogewinn 15,93 € je Tiegel, Bruttomarge 54,3 %, entsprechender Aufschlag 118,9 %.
Brutto 34,90 € ÷ 1,19 = 29,33 € Nettoumsatz. Bruttogewinn = 29,33 € − 13,40 € = 15,93 €. Marge = 15,93 € ÷ 29,33 € ≈ 54,3 %. Aufschlag = 15,93 € ÷ 13,40 € ≈ 118,9 %. Das ist ein gesunder DTC-Wert; viele Gründerteams begehen den Fehler, nur Rohstoffe als Kosten anzusetzen – nach Abzug der echten Vollkosten je Bestellung (Versand, Zahlungsdienst, Marktplatz) bleibt von einer scheinbar starken Marge oft nur die Hälfte. Erst diese Zahl trägt das Performance-Marketing-Budget.
Großhandel: B2B-Werkzeuglieferant in Nordrhein-Westfalen
Ein Großhändler in Düsseldorf liefert ein Industriewerkzeug an Handwerksbetriebe zu einem Nettopreis von 480,00 € je Stück (zzgl. 19 % USt). Wareneinsatz inklusive Import aus Asien und Eingangsfracht: 412,00 €. Der Vertriebsleiter prüft die Marge gegen das interne Ziel von 15 %.
ErgebnisBruttogewinn 68,00 € je Stück, Bruttomarge 14,2 %, entsprechender Aufschlag 16,5 %.
Großhandelspreise werden in Deutschland regelmäßig netto vereinbart, daher entfällt eine USt-Bereinigung. Bruttogewinn = 480,00 € − 412,00 € = 68,00 €. Marge = 68,00 € ÷ 480,00 € = 14,2 %. Aufschlag = 68,00 € ÷ 412,00 € = 16,5 %. Die Marge liegt knapp unter dem Zielwert von 15 %. Typische Stellschrauben im Großhandel sind Mengenstaffeln vom Hersteller, schlankere Logistikkette, Verlagerung des Wareneingangs auf einen Vorlauflieferanten oder eine Anhebung der Listenpreise zum Jahreswechsel. Eine Marge unter 10 % im klassischen technischen Großhandel gilt nach DIHK-Branchenpanel als kritisch.