Warum sollte das Einkommens-BIP dem Ausgaben-BIP entsprechen?
Jeder ausgegebene Euro wird zum Einkommen einer anderen Person. Wenn Sie Güter kaufen, werden diese Ausgaben zu Löhnen, Mieten, Zinsen oder Gewinnen der Produzenten. Es sind zwei Seiten derselben Transaktion – der Wirtschaftskreislauf.
Was zählt zum Arbeitnehmerentgelt?
Bruttolöhne und -gehälter, Boni sowie Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung (Krankenversicherung, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung). Umfasst sowohl Geld- als auch Sachleistungen. Das Einkommen Selbstständiger wird in den deutschen VGR getrennt im Bruttobetriebsüberschuss erfasst und mischt Arbeits- und Kapitalvergütung.
Warum sinkt die Lohnquote in Deutschland?
Mehrere Faktoren wirken zusammen: Globalisierung der Lieferketten, technologischer Wandel, schwächerer gewerkschaftlicher Deckungsgrad seit den 1990ern, Lohnzurückhaltung im Zuge der Agenda 2010 sowie Messprobleme bei immateriellen Investitionen. DIW Berlin und ifo Institut debattieren regelmäßig über die relative Bedeutung dieser Treiber.
Was sind indirekte Steuern in Deutschland?
Steuern auf Güter und Dienstleistungen statt auf Einkommen: Mehrwertsteuer (Regelsatz 19 %, ermäßigt 7 %), Energie- und Stromsteuer, Tabaksteuer, Kfz-Steuer, Grundsteuer und Zölle. Sie sind Teil des BIP (vom Käufer bezahlter Marktpreis), aber kein Faktoreinkommen. Subventionen wie EEG-Förderung oder Agrarbeihilfen werden gegengerechnet.
Was ist der Unterschied zwischen Einkommens-, Ausgaben- und Entstehungsansatz?
Alle drei messen dasselbe – die Gesamtproduktion – aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Der Einkommensansatz summiert, was Produzenten auszahlen (W + R + i + Π plus Abschreibungen und Nettoproduktionsabgaben). Der Ausgabenansatz summiert, was Käufer ausgeben (C + I + G + NX). Der Entstehungsansatz summiert die Bruttowertschöpfung der Wirtschaftsbereiche (Output minus Vorleistungen). Im idealen Rechenwerk sind sie identisch; in den Destatis-Daten weichen sie geringfügig ab, weil sie aus eigenständigen Erhebungen entstehen.
Warum stimmen die drei Ansätze in realen Daten nicht exakt überein?
Destatis weist eine statistische Differenz aus – typischerweise unter 1 % des BIP –, die die Lücke zwischen den drei Berechnungsseiten beschreibt. Sie entsteht, weil die Daten aus unterschiedlichen Quellen stammen: Steuerstatistiken, Unternehmensbefragungen und Haushaltspanels weisen jeweils eigene Messfehler auf. Die Deutsche Bundesbank verweist in ihren Monatsberichten gelegentlich darauf, dass diese Differenz an Konjunkturwendepunkten besonders aufmerksam zu beobachten ist.
Was zählt zu den 'Gewinnen' im Einkommensansatz?
Der Bruttobetriebsüberschuss von Kapitalgesellschaften vor Steuern (inklusive Bewertungs- und Abschreibungskorrekturen) sowie das Selbstständigen-Einkommen aus Personengesellschaften und freien Berufen. Die Selbstständigen-Einkommen mischen Arbeits- und Kapitalvergütung, weshalb veröffentlichte Lohnquoten je nach Aufteilungsmethode um mehrere Prozentpunkte schwanken können.
Wie unterscheidet sich der Einkommensansatz vom Bruttonationaleinkommen (BNE)?
Das BIP misst (in jedem Ansatz) die Produktion innerhalb der Landesgrenzen. Das Bruttonationaleinkommen (BNE, früher Bruttosozialprodukt) erfasst das Einkommen der Inländer, unabhängig vom Produktionsort. BNE = BIP + Saldo der Primäreinkommen aus der übrigen Welt. Für Deutschland liegt das BNE um rund 1–2 % über dem BIP wegen Nettoeinkommen aus Direktinvestitionen; für kleine offene Volkswirtschaften wie Irland oder Luxemburg kann der Unterschied über 15 % betragen.
Warum Abschreibungen einbeziehen, wenn sie nur Verschleiß ersetzen?
Weil das BIP eine Bruttogröße ist – es zählt alle in diesem Jahr produzierten Investitionsgüter, auch jene, die lediglich vorhandene Anlagen ersetzen. Das Nettoinlandsprodukt (NIP = BIP − Abschreibungen) ist die 'Netto'-Größe, die Ökonomen verwenden, wenn sie sich nur für die Erweiterung des Kapitalstocks interessieren. Destatis veröffentlicht beide Größen, das BIP gilt aber als zentraler Konjunkturindikator, weil Abschreibungen schwerer präzise zu messen sind.
Erfasst der Rechner die Schattenwirtschaft?
Nur insoweit, wie die eingegebenen Werte aus amtlichen Statistiken bereits Schätzungen nicht-deklarierter Aktivität enthalten. Destatis und die OECD-Statistikämter rechnen Beträge für die Schattenwirtschaft hinzu – Trinkgelder, Schwarzarbeit am Bau, Pflegeleistungen –, die Abdeckung ist jedoch unvollständig. Das ifo Institut und die Universität Linz (Friedrich Schneider) schätzen die deutsche Schattenwirtschaft auf etwa 10–11 % des BIP, italienische oder griechische Quoten liegen bei 20–25 %.
Wie passen Subventionen in die 'indirekten Steuern'?
Korrekt heißt die Position 'Produktions- und Importabgaben abzüglich Subventionen'. Subventionen sind negative Produktionsabgaben – sie senken den Marktpreis unter die Faktorkosten – und reduzieren damit die Brücke vom Volkseinkommen zum BIP. In Deutschland sind EEG-Umlage, Agrarbeihilfen aus dem EU-Haushalt und Verkehrssubventionen relevant; netto liegen die Produktionsabgaben rund 1–2 Prozentpunkte unter den Bruttoabgaben.
Kann ich den Rechner für historische Daten oder andere Länder nutzen?
Ja. Die Formel ist innerhalb des Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG 2010) und der internationalen System-of-National-Accounts-Norm (SNA 2008) identisch. Ziehen Sie die sechs Eingabewerte aus der Destatis Fachserie 18 für Deutschland, aus Eurostat 'National Accounts' für EU-Mitglieder oder aus OECD.Stat für internationale Vergleiche. Verwenden Sie immer dasselbe Bezugsjahr und konsistent entweder nominale oder preisbereinigte Werte.