Was ist der RSI-Indikator nach Wilder?
Der Relative-Stärke-Index (RSI) ist ein Momentum-Oszillator, den J. Welles Wilder 1978 in seinem Buch „New Concepts in Technical Trading Systems" vorgestellt hat. Er schwankt zwischen 0 und 100 und vergleicht das Ausmaß der jüngsten Kursgewinne mit dem Ausmaß der jüngsten Kursverluste. Auf deutschen Handelsplattformen wie Comdirect, Consorsbank oder TradingView ist der RSI standardmäßig mit 14 Perioden hinterlegt.
Wann gilt eine Aktie als überkauft oder überverkauft?
Nach Wilders klassischer Definition gilt ein RSI-Wert über 70 als überkauft (mögliche Korrektur nach unten) und ein Wert unter 30 als überverkauft (mögliche Gegenbewegung nach oben). Werte zwischen 30 und 70 gelten als neutral, wobei 50 die Mittellinie zwischen bullischem und bärischem Momentum markiert. In starken Trends nutzen viele deutsche Trader die strengeren Schwellen 80/20, um nicht zu früh gegen den Trend zu handeln.
Was bedeutet eine RSI-Divergenz?
Eine Divergenz liegt vor, wenn der Kurs ein neues Hoch oder Tief bildet, der RSI dieses Hoch bzw. Tief aber nicht bestätigt. Bärische Divergenz — Kurs steigt, RSI fällt — deutet auf nachlassendes Aufwärtsmomentum hin. Bullische Divergenz — Kurs fällt, RSI steigt — signalisiert nachlassenden Abwärtsdruck. Divergenzen sind Warnsignale, keine direkten Kaufs- oder Verkaufsauslöser; erfahrene Trader warten auf eine zusätzliche Kursbestätigung.
Wo finde ich den RSI auf TradingView oder bei Comdirect?
Auf TradingView fügen Sie den RSI über das Menü „Indikatoren" hinzu und können Periode und Schwellenwerte (Standard 14, 70, 30) frei anpassen. Bei der Comdirect und der Consorsbank ist der RSI im Chart-Modul unter „Technische Indikatoren" verfügbar, ebenfalls mit voreingestellten 14 Perioden. Unser Rechner liefert denselben mathematischen Wert wie diese Charting-Tools, wenn Sie identische Eingaben für durchschnittlichen Gewinn und Verlust verwenden.
Warum bleibt der RSI in starken Trends so lange überkauft?
In einem starken Aufwärtstrend übersteigen die durchschnittlichen Gewinne dauerhaft die durchschnittlichen Verluste, sodass der RSI wochenlang über 70 oder sogar über 80 verharren kann. Wer in einem ungebremsten DAX-Bullenmarkt jede überkaufte Lesart als Verkaufssignal nutzt, verliert systematisch Geld. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und die BaFin weisen regelmäßig darauf hin, dass technische Indikatoren immer im Kontext eines Trendfilters (z. B. 200-Tage-Linie) eingesetzt werden sollten.
Sollte ich eine kürzere oder längere RSI-Periode verwenden?
Kürzere Perioden (z. B. 7 oder 9) machen den RSI empfindlicher und erzeugen mehr Signale — geeignet für Daytrader. Längere Perioden (z. B. 21 oder 25) glätten den Verlauf und liefern weniger, aber stabilere Signale für Swing- oder Positionstrader. Da bei nicht-Standard-Perioden die 70/30-Schwellen anders ansprechen, sollten Sie jede Abweichung vom 14-Perioden-Standard zunächst im Backtest auf Ihrem konkreten Instrument prüfen.
Worin unterscheiden sich RSI und MACD?
Der RSI ist ein begrenzter Oszillator (0 bis 100), der vor allem überkaufte und überverkaufte Zustände sowie Divergenzen anzeigt. Der MACD ist ein unbegrenzter Indikator aus zwei gleitenden Durchschnitten und dient hauptsächlich der Trendrichtungs- und Momentumanalyse. Beide ergänzen sich: Der RSI ist stark an Extrempunkten, der MACD bei der Trendbestätigung. Viele deutsche Privatanleger kombinieren beide auf TradingView oder Comdirect-Charts.
Ist der RSI für Daytrading geeignet?
Der RSI wird im Daytrading häufig eingesetzt, ist aber kein Selbstläufer. Die BaFin warnt im Rahmen ihres Anlegerschutzes ausdrücklich vor der hohen Verlustwahrscheinlichkeit beim kurzfristigen Handel — Studien deutscher Aufsichtsbehörden zeigen, dass die Mehrheit privater Daytrader Geld verliert. Wer den RSI einsetzt, sollte ihn mit Trendfiltern, Money-Management-Regeln und realistischen Erwartungen kombinieren, statt ihn als alleiniges Kauf- oder Verkaufssignal zu nutzen.